sda ba award 2017: HSLU D&K

An der Hochschule Luzern - Design & Kunst wurden aus den Studienbereichen Objekt Design, Textil Design und Design Management fünf Arbeiten für den sda ba award nominiert. Die Jury, an der die Vostandsmitglieder Alexa Blum und Anna Blattert sowie die sda-Mitglieder Lisa Ochsenbein, Thai Hua und Adrian Gögl teilnahmen, prämierte aus dem Bereich Textil Design die überzeugende Arbeit

Clara Sollberger
«Flagge bekennen»
Inspirationsgrundlage für die Arbeit bildet die Schweizerfahne. Clara Sollberger interpretiert das quadratische Textil, das zugleich verbindet und ausschliesst, dessen Form die vielgelobte Diversität des Landes in ihren Augen aber nicht genügend zu repräsentieren vermag. Ausgehend von der Schweizerfahne und den Flaggen der verschiedenen Nationen, die in der Schweiz vertreten sind, entwarf Clara Sollberger Tücher, die Statement und Accessoire zugleich sind. Die Jury lobt, wie souverän und präzise die Arbeit die Absicht auf den Punkt bringt. Von den textilen Entwürfen über die gestickte Öse für die Aufhängung bis hin zur Installation ist sie kongruent durchgestaltet. Der Komplexitätsunterschied des Entwurfs von den kleinen zu den grossen Tüchern ist gelungen. Das sich wiederholende Farb- und Formenrepertoire macht trotz der Vielzahl der Tücher eine klare Designsprache sichtbar. So ist Clara Sollberger die Balance zwischen ästhetischen und funktionalen sowie kommunikativen Aspekten gelungen. Der Mut zur Reduktion schafft den nötigen Raum für die Botschaft. Die Aussage, Fremdenhass mit Schönheit zu kontern wird eingelöst. Die Arbeit wird mit dem SDA Bachelor Award ausgezeichnet.

Die weiteren nominierten Designerinnen und Designer sind.

Textildesign
Milena Brändli / Muriel Gregorin / Beatrice Moser
«Älter bini no nie gsi»
Das Altersheim ist für viele ein neues Zuhause, auch wenn es nicht selbstgewählt ist. Hier verbringen Seniorinnen und Senioren viel Zeit. Milena Brändli, Muriel Gregorin und Beatrice Moser liessen sich für ihre Textilkollektion von Weisheiten, Geschichten und Ausrufen von Senioren und Seniorinnen inspirieren. Sie haben damit ein gesellschaftsrelevantes Thema aufgegriffen. Ihr Vorschlag basiert auf einer fundierten Recherche und der sorgfältigen Untersuchung der Zielgruppe und deren Umfeld, lobt die Jury. Sogar an die Besucherinnen und Besucher der Senioren wurde gedacht. Die Herausforderung in einem Dreierteam zu entwerfen scheint gelungen. Die Vielfalt der Entwürfe und angewandten Techniken beeindruckt. Es gibt interessante haptische Komponente der Stoffe zu entdecken. Einzig anzumerken ist, dass durch die Fülle der Entwürfe, der Rote Faden der Arbeit etwas verloren geht. Es scheint, als seien Überlegungen zum Einsatz der Stoffe und zum Kontext der Arbeit etwas hinter der Arbeit an Entwürfen zurückgefallen. Hier wäre eine Reduktion zugunsten einer klareren Kollektion und Designsprache wünschenswert.

Objektdesign
Nora Wagner
«BergSee»
Seen prägen das Landschaftsbild der Schweiz – doch wie sieht es unter der Wasseroberfläche aus? Nora Wagner schuf mittels Keramik-3-D-Drucker von Schweizer Bergseen inspirierte Objekte. Die Ästhetik der kumulierten Schichten erinnert an Höhenlinien, das Druckmaterial an Sedimentgestein. Die Jury ist beeindruckt und überzeugt von der forschenden Herangehensweise und der fundierten Auseinandersetzung mit dem Material und der Technik. Die entstandenen Objekte wirken in ihrer eingearbeiteten Farbgestaltung poetisch und ansprechend, allerdings erschliesst sich der Zusammenhang zwischen gewählter Technik und dem Bergsee über die Höhenlinien nicht sofort. Die Auseinandersetzung mit der Technik der digitalen Fabrikation und der generativen Gestaltung bietet die Möglichkeit neue Geschäftsfelder im Kunsthandwerk zu erschliessen. Dieses Thema hätte auch für die formale Ausgestaltung mehr genutzt werden können.

Objektdesign
Jona Messerli
«HAZEL»
Mit HAZEL hat Jona Messerli ein Sitzmöbel für eine oder zwei Personen entworfen. Das Grundmaterial liefert der einheimische Haselstrauch. Der gerade Wuchs und die Biegsamkeit der Haseläste prägen das Design. In Anlehnung an den Windsor-Stuhl basiert es auf einem Steckprinzip. Die Bearbeitung mit handwerklichen und digitalen Fertigungstechniken betont das Spannungsfeld zwischen natürlicher Wuchsform und bewusster Formgebung. Die Jury lobt die authentische und überzeugende Präsentation ebenso wie die gelungene Inszenierung. Die Arbeit vermittelt einen sehr sorgfältigen und umsichtigen Umgang mit dem Material in der Verarbeitung. Der Ansatz Astholz zu verwenden und sich die Feuchtigkeit des frischen Materials für die Technik des Holzbiegens nutzbar zu machen ist überraschend. Wie sinnvoll die digitale Fabrikation, insbesondere die Lasertechnologie hier eingesetzt ist, wird indes von der Jury in Frage gestellt. Der Anspruch der bewussten Formgebung im Kontrast zur natürlichen Wuchsform scheint ohnehin eingelöst. Das gewählte Format der etwas zu schmalen Bank um Zweisamkeit zu erzeugen, ergibt zusammen mit der ansprechenden formalen Ausgestaltung und der Symbolik der Hasel eine runde Geschichte.

Designmanagement
Raphael Regli
«The Firefighter»
Jeder kennt die Situation wenn bei einem Teamprojekt die Zusammenarbeit harzt. Raphael Regli hat ein Firefighter-Tool entwickelt, mit dem Arbeitsgruppen solche Situationen ohne externe Hilfe aufarbeiten und lösen können. Ein Kartenset führt die Gruppen durch einen Prozess, bei dem typische Konfliktarten angesprochen und analysiert werden können. Der Ansatz ein Tool zu erarbeiten um Konflikte in Arbeitsgruppen künftig ohne Coach und aufwändige Prozesse direkt im Team zu lösen, ist vielversprechend. Das entwickelte Kartenset wirkt wie ein Spiel und kann dabei helfen, sich auf die doch recht sensiblen psychologischen Prozesse einzulassen. Dass es sich dabei um ein analoges Tool handelt überrascht, aber gefällt auch. Leider fehlt es an Informationen, wie die Karten zu nutzen sind. Die Jury empfiehlt dem Spiel eine gut illustrierte Anleitung beizugeben, um so den Markteintritt zu erleichtern. Ob das Tool tatsächlich ohne Moderation und Coaching, innerhalb der geplanten Dauer bedient werden kann, gälte es in der weiteren Entwicklung genauer zu überprüfen.

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Clara Sollberger, BA-Projekt «Flagge bekennen»
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Milena Brändli / Muriel Gregorin / Beatrice Moser, BA-Projekt «Älter bini no nie gsi»
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Nora Wagner, BA-Projekt «BergSee»
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Jona Messerli, BA-Projekt «HAZEL»
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Raphael Regli, BA-Projekt «The Firefighter»