Wie gestaltet Design das Morgen?

Kuratiert von sda-Mitglieder Gabriela Chicherio und Andreas Saxer sowie Fabienne Barras, wagte die erste Design Biennale Zurich einen Blick in die Zukunft des Designs. Am Freitag Nachmittag fand ein Symposium statt, das Themen wie Megatrends, neue Technologien und zukünftige Möglichkeiten aufnahm und dazu sechs Expertinnen und Experten einlud. Die Konferenz wurde an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) in Zusammenarbeit mit der Swiss Design Association ausgerichtet. Die Debatte beobachtet hat Anina Riniker, Studentin im 5. Semester Industrial Design an der ZHdK:

Wie gestaltet Design das Morgen?
Text: Anina Riniker
Roboter und neue Technologien sind die Zukunft, die uns eingeholt hat. War die Gedankensteuerung im Film «Back to the Future» (1985) eine witzige Erfindung, so ist die Steuerung durch Hirnströme heute real. Im Game Design wird diese eben noch futuristisch anmutende Technik bereits angewendet und ist auf weitere Bereiche adaptierbar, so Ulrich Götz, Leiter der Fachrichtung Game Design an der ZHdK. Virtual Reality wird bereits einige Jahre genutzt. Designerinnen und Designer können ihren Kunden inzwischen virtuelle Reisen im Rendering anbieten, wie sda-Mitglied Christian Harbeke von Nose Design an Entwürfen für Züge und Metros erläuterte. Zudem erstellen sie mittlerweile die 3-D-Modellierung in VR-Umgebung: Statt am Computer ein CAD aufzubauen, kann intuitiv im virtuellen Raum entworfen werden. Unterstützt durch spezielle Programme, VR-Brillen und drahtlose Controller (etwa «Vive» von HTC) öffnen sich neue Möglichkeiten im Entwurfsprozess. Studierende des Departements Industrial Design an der ZHdK haben bereits die Möglichkeit, die neueste Generation der Entwurfs-Programme einzusetzen. Die Zeit wird zeigen, ob sich diese neue Technologie gegen klassische CAD-Arbeiten am Computer durchsetzen kann.

Technik und Gesellschaft
In Kontrast zu den eher technischen Beiträgen fokussierte Bitten Stetter, Leiterin der Fachrichtung Trends & Identity an der ZHdK auf die stetige Veränderung der Gesellschaft. Gesundheit und «Self-Design» würden ins Zentrum des Wirkens rücken und persönliches Glück werde zum neuen Status ernannt. Kurzum: der Fokus des Designs werde in Zukunft verstärkt auf das Individuum gerichtet. Als Reaktion auf den rasenden Technologiewandel? Der Interaction Designer, Designforscher und User-Experience-Stratege Stefano Vanotti verwendete die Begriffe Fortschritt und Angst in einem Atemzug. Ist mit der technologischen Entwicklung oft Negatives konnotiert, so könnten Designerinnen und Designer näher betrachtet dennoch einen Nutzen daraus ziehen: Die Dimensionen des neuen Designs wurden vielfältig. Auch im Handlungsfeld stehen neue Optionen zur Verfügung. Metropolen wie Helsinki beschäftigen Chief Design Officers, welche die Stadt mitdenken und formen. Einflussbereiche und der Stellenwert des Designs wachsen: Neben der kreativen Arbeit sollen Designerinnen und Designer auch analytisch-strategisch handeln und über ein umfassendes Wissen über komplexe Zusammenhänge verfügen. Neuen Technologien folgen aber auch neue Berufsfelder. So wurden jüngst «Drone Costume Designer» geboren, wie Léa Pereyre in ihrem Beitrag erläuterte. Sie gestaltet magische Hüllen für Flugobjekte, die in Szenografien eingesetzt werden. Ein bezeichnendes Beispiel dafür, dass die Designerinnen und Designer auch in Zukunft mit Poesie, Ästhetik und Emotionen die technologische Welt in Balance zu halten versuchen.

Einige Aussagen hat man so oder ähnlich bereits andernorts gehört, und das Publikum hätte gerne noch mehr Beispiele vorgeführt bekommen. Trotzdem bot die Konferenz spannende Referate und neue Sichtweisen auf den gesellschaftlichen und technologischen Wandel, der Design als Disziplin betrifft.

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Das Kuratorenteam Gabriela Chichercio, Andreas Saxer und Fabienne Barras mit Moderatorin Nina Brunner. Foto: Anina Riniker